Menschen in Mühlheim #15

„Ich liebe meine Kinder und möchte sie gerne wieder sehen.“

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Menschen in Mühlheim #15

Ich bin 26 Jahre und komme aus Eritrea. In Deutschland bin ich seit fast 3 Jahren.
Ich bin von Eritrea über Äthiopien mit dem Bus in den Sudan, dann durch die Sahara nach Libyen und von dort mit dem Schiff nach Italien.  Ich hatte großes Glück, schnell voranzukommen. Manche Leute müssen bis zu einem Jahr, unter schlimmen Bedingungen,  in Libyen warten. In Österreich haben sie mich nach meinem Pass gefragt aber ich hatte nur das Ticket für die Bahn. Nach einem Tag haben sie mich laufen lassen und ich kam dann nach Deutschland.
Hier in Mühlheim habe ich eine Tante. Eigentlich wollte ich nicht in Deutschland bleiben und fuhr weiter nach Dänemark. Dort, so hatte ich gehört, sollte die Familienzusammenführung schneller klappen. Aber ohne Pass schaffte ich es nicht und ich kam nach Mühlheim zurück.

Hier habe ich jetzt eine Aufenthaltserlaubnis für 3 Jahre. Jetzt hätte ich die Gelegenheit, meine Familie zu mir zu holen. Aber meine Frau hat sich gerade  von mir getrennt. Sie und meine Töchter,  6 und 3 Jahre, leben in Eritrea. Die Kinder leben jetzt bei ihren Eltern und sie hat ein Kind mit einem neuen Mann. Es ist sehr schwer Kontakt zu meinen Kindern zu haben. Meine Exfrau und  meine Schwiegereltern wollen das nicht. Seit drei Monaten konnte ich nicht mehr mit ihnen sprechen. Zu meiner Familie haben sie auch keinen Kontakt. Wenn eine Frau sich scheiden lässt, bleiben die Kinder bei ihr.

Meine Eltern leben in Eritrea. Sie können nicht mehr arbeiten, sie sind schon sehr alt. Mein Vater ist 50 Jahre, in Eritrea ist man dann alt. Mein Vater war Bauer, wie viele arme Leute dort. Sie haben keine Maschinen und das Leben braucht viel Kraft.

Wenn ich jetzt nach Eritrea zurückgehen würde, würde ich in das Gefängnis kommen. Die Gefängnisse in Eritrea sind sehr schlimm. Es gibt sehr viele Menschen,  die im Gefängnis sind. Wenn man das Land verlassen will und erwischt wird, kommt man ins Gefängnis.

Mein Kopf ist  im Moment so voller Probleme.  Deswegen habe ich auch die Deutschprüfung B1  nicht bestanden. Aber  ich will es nochmal versuchen.  Diesen Monat habe ich einen  Minijob in der  jüdischen Gemeinde in Offenbach gefunden. Dort arbeite ich in der koscheren Küche im Gemeindehaus, mache das Geschirr und liefere Essen aus.  Ich selbst bin Christ. Ich gehe jeden Samstag in die Kirche. Manchmal nach Frankfurt in die orthodoxe Kirche oder  in die St. Markus Kirche in Mühlheim. Zu seinem Gott beten kann man überall.
Ab Januar will ich eine EQ ( Einstiegsqualifizierung )  machen,  um dann einen Ausbildungsplatz zu bekommen. Ich möchte gerne eine Ausbildung zum Glaser machen. Ich habe schon für zwei Wochen ein Praktikum  gemacht und es hat mit gut gefallen.
Ich fahre viel Fahrrad und nehme an Rennen teil. Damit habe ich schon mit 14 Jahren in Eritrea begonnen.  Ich  bin Mitglied bei  der RSG Frankfurt 1890. Zuerst bin ich mit Johannes aus Mühlheim im Team gefahren. In unserem Team war eine Frau, die sehr, sehr stark ist. Sie ist ganz locker 170 Kilometer mit uns gefahren. Das hat mich sehr beeindruckt. Wenn ich schon müde war, hatte sie immer noch Kraft.

Jetzt  fahre ich für „Team Africa“ , eine Team in dem nur Flüchtlinge fahren. Wir sind 6 Leute, alle aus afrikanischen Ländern. Wir trainieren jedes Wochenende zusammen. Unsere Fahrräder sind nicht so gut. Wir sind ein kleines Team und da gibt es nicht so viel Geld. Aber ich hoffe, dass wir uns nächstes  Jahr Profi Fahrräder leisten können.
Ich schwimme auch gerne, aber das Bad  hier in Mühlheim ist zu klein. In Eritrea habe ich nahe am Meer gewohnt und wir hatten große Seen, wo wir schwimmen konnten.
Ich koche gerne eritreisches Essen, am liebsten mit  Kartoffeln.  Aber so, wie wir sie in Eritrea zubereiten. Bei uns werden sie klein geschnitten, in Öl gebraten, dazu Tomaten,  Pfeffer,  Salz und natürlich Knoblauch. Das ist sehr lecker. Fleisch esse ich nicht so gerne.
In Mühlheim lebe ich gerne. Mühlheim ist eine kleine Stadt mit vielen Geschäften und Supermärkten, es gibt die S-Bahn. Ich liebe Mühlheim und möchte hier bleiben. Mittlerweile habe ich auch eine eigene Wohnung. Sie ist sehr klein, aber besser als in der Gemeinschaftsunterkunft.  Lieber würde ich aber in einer Wohngemeinschaft  wohnen.  Ich habe sehr viele Leute in Mühlheim kennengelernt, aber im Moment habe ich wenig Kontakt. Ich bin zu sehr mit meinen Problemen beschäftigt und traurig. Ich habe gerade erfahren, dass sich meine Frau letzte Woche  hat von mir  scheiden lassen. Mein Herz tut weh. Ich liebe meine Kinder und möchte sie gerne wieder sehen. Aber ich sehe keine Möglichkeit.

 

Geflüchtete Menschen in Muehlheim

Geflüchtete Menschen in Mühlheim

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