Menschen in Mühlheim #13

„Sie sagen „Müllem“, statt Mühlheim.“

 

Menschen in Mühlheim #13

 

Hussan

Seit August 2015 bin ich hier in Mühlheim. In Syrien hatte ich englische Literatur studiert. Daher spreche ich fließend Englisch und auch ein bisschen Französisch. Danach habe ich 13 Jahre in einem Duty Free Shop nahe der jordanischen Grenze gearbeitet. Als ich durch den Krieg meine Arbeit verlor, bin ich gegangen. Mein größter Wunsch ist, dass der Krieg in meinem Land endet. Syrien ist Heimat, doch dort gibt es für uns keine Zukunft. Vielleicht dauert diese Situation noch zwanzig Jahre. Ich habe 4 Brüder, die in verschiedenen Ländern wohnen, aber meine 2 Schwestern und meine Mutter leben noch in Syrien. Wir haben Kontakt über Whatsapp und Telefon aber oft gibt es keinen Strom, dann können wir nicht sprechen.

Hier in Mühlheim habe ich zuerst in der Gemeinschaftsunterkunft in der Lessingstraße gewohnt. Als ich sah, dass gegenüber die Leute ausziehen, habe ich sie angesprochen. Sie sagten, die Wohnung wäre frei und gaben mir die Telefonnummer des Vermieters. Ich hatte großes Glück. Als meine Frau und meine zwei Kinder dann im Februar 2016 nach Deutschland kamen, hatte ich die Wohnung schon.

Letztes Jahr habe ich einen Deutschkurs gemacht und die Prüfung bestanden. Im Winter habe ich dann 2 Monate in einer Mühlheimer Bäckerei gearbeitet. Dann haben sie mir gekündigt. Sie sagten, es wäre wegen der Sprache, aber ich denke, sie haben nur während der Weihnachtszeit einen Mitarbeiter gebraucht. Sie hätten auch gleich sagen können, dass sie nur für 2 Monate einen Mitarbeiter suchen. Am Flughafen hatte ich auch eine gute Stelle bei einer Check In Agentur gefunden. Aber dann war das Problem, dass ich noch keine 5 Jahre in Deutschland gelebt habe. Sie sagten mir, das wäre notwendig wegen der Sicherheitsbestimmungen.

Ab März mache ich weiter im Deutschkurs, bis zum nächsten Abschluss. Was ich danach machen werde…? Ich habe schon sehr viele Bewerbungen geschrieben.

Mein Sohn und ich sind bei der freiwilligen Feuerwehr. Jeden Montag habe ich Übung. Das Hessische bereitet mir Probleme. So viele Leute sprechen Dialekt und das ist für mich schwer zu verstehen. Sie sagen zum Beispiel „Müllem“ anstatt Mühlheim. Aber in Syrien sprechen wir auch oft Dialekt.

Wie überall gibt es nette und weniger nette Menschen unter den Mühlheimern und auch unter den Geflüchteten. Im Sommer gehen wir gerne an den Main. Ein wichtiger Platz ist für uns auch die Kirche. Ich komme aus einem christlichen Dorf im Süden Syriens. Wir gehören der ´Melkitisch Griechisch-Katholischen Kirche´ an. Einmal im Monat haben wir im Sankt Markus einen Gottesdienst in arabischer Sprache. Dann kommen alle syrischen Christen, die hier in der Nähe wohnen.

Für meine Familie wünsch ich mir hier in Deutschland ein gutes Leben

Lubna

Ich bin gelernte Buchhalterin und habe, wie mein Mann, 13 Jahre im Duty Free Shop gearbeitet. In Syrien habe ich meine Arbeit verloren und alles…. Aber ich vermisse mein Land, die Sonne. Ich möchte gerne wieder zurück. Aber unsere Kinder werden hier groß werden und irgendwann besser deutsch als arabisch sprechen. Daher glaube ich, dass wir hier bleiben werden. Syrien ist für mich Heimat. Meine drei Schwestern leben noch dort. Mein Bruder und meine Mutter leben in den USA. Die meisten Menschen hier sind nett, aber hier ist nicht meine Heimat.

Ich würde gerne eine Ausbildung zur Krankenschwester oder zur Verkäuferin machen. Ich denke, dass ich ohne Ausbildung keinen Job bekommen werde. Für einen Ausbildungsplatz werde ich kämpfen müssen. Meine Chancen sind schlecht, weil ich schon 39 Jahre alt bin. Mein Job Coach sagt, ich wäre zu alt und er hilft mir nicht bei der Suche. Wenn wir hier keine Arbeit finden, kann ich mir auch vorstellen, dass wir in eine andere Stadt gehen. Hamburg, Stuttgart oder Mannheim.

Für Hobbies habe ich im Moment keine Zeit. Ich bin jeden Tag 4 Stunden im Deutschkurs und wenn ich nach Hause komme, muss ich mich um die Kinder kümmern, einkaufen und vor allem viel lernen. Am Wochenende bekommen wir Besuch oder gehen Freunde und Verwandte besuchen. Wir essen gerne arabische Gerichte. Aber für die Zubereitung muss man sich Zeit nehmen. Sie dauert sehr lange.

Ich gehe gerne in die Kirche und singe dort alleine für mich auf Arabisch. Eine Frau dort sagt immer: „Komm und singe mit uns im Kirchenchor“. Ich sage ihr immer: „ Okay, nächsten Monat“. Aber ich finde, mein Deutsch ist noch nicht so gut. Vielleicht im August, wenn ich mit der Schule fertig bin.

Über die Kirche haben wir auch schon viele Leute kennengelernt und Freunde gewonnen. Besonders hier in der Altstadt sind wir bekannt. Aber am Anfang war es sehr schwer, weil ich die Sprache nicht konnte. In Syrien haben wir neben der Kirche gewohnt. Wir sind jeden Tag dort hin gegangen, haben Nachbarn getroffen, gebetet, geredet, auch zusammen sauber gemacht. Es gehörte zum Leben dazu. Wenn ich die Kirchenglocken höre, fühle ich mich gut.

Reyona

Ich bin 5 Jahre alt und gehe in den Kindergarten der Sankt Markus Gemeinde. In meiner Freizeit tanze ich in der Kindertanzgruppe des KaKaM. Ich tanze sehr gerne. Zu Fasching hatten wir einen Auftritt. Wir haben zu dem Lied „ Heidi“ getanzt. Das war sehr schön.

Christian

Ich bin 8 Jahre alt und gehe in die dritte Klasse der Goetheschule. Meine beiden Freunde wohnen hier in der Nachbarschaft. Sie sind Deutsche und ich habe von ihnen schnell die Sprache gelernt. Freitags gehe ich immer zur Kindergruppe der freiwilligen Feuerwehr hier in Mühlheim. Ich spiele auch gerne Fußball, aber im Moment darf ich nicht, weil ich eine Operation am Blinddarm hatte. Im Sommer will ich wieder anfangen. Heute habe ich eine Geschichte geschrieben: „ Ich war einmal auf dem Friedhof …“ Aber jetzt muss ich die Geschichte zu Ende schreiben und Hausaufgaben machen.

 

Menschen in Mühlheim

 

 

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